Ahlers Zum Film bin ich als Quereinsteiger, über die Praxis als Regieassistent gekommen. Ich habe ganz bewusst versucht, mir mein Wissen und Können in der Praxis, auf dem Set anzueignen – und nicht über die Theorie. Das heißt nicht, dass ich nicht an der Theorie interessiert wäre, im Gegenteil! Nur dass ich, statt mir Gastvorlesungen von Regisseuren oder Produzenten in der Uni anzuhören, mit diesen Leuten aus der Praxis selbst zusammenarbeite und gewissermaßen immer wieder bei der praktischen Arbeit am Set gelernt habe. Das habe ich immer als großen Vorteil und für mich zudem als den besten Weg empfunden.
Schon immer war ich vom Kino fasziniert. Ein Praktikum bei einer Produktionsfirma war für mich daher naheliegend. Dort habe ich gemerkt, dass mich die Regie von allen Aspekten des Filmemachens am meisten reizte. Mich faszinierten die Teamarbeit mit Kreativen und die vielfältigen Koordinationsaspekte, das Logistische: was muss alles durchdacht sein, um einen Dreh so reibungslos wie möglich ablaufen zu lassen? Zugleich habe ich aber immer darauf geachtet, dass die anderen Elemente, also beispielsweise Drehbuchschreiben und Produktion, mir nicht fremd bleiben. Auch hier habe ich versucht zu lernen und aufzuschnappen, wo immer ich hinkam. Und zwar überall – nur nicht auf der Filmschule.
Ich bin der Meinung, dass sich die Zeiten gerade im Filmgeschäft wahnsinnig schnell ändern. Oft habe ich den Eindruck, dass die Filmhochschulen Jahrzehnte hinter der Entwicklung her hinken. Gerade Professoren, die sich seit Jahren nurmehr im akademischen Umfeld bewegen, können doch nur schwer erahnen, was an der Front geschieht – und wie die neuen Gesetze lauten.
Das beziehe ich gar nicht nur auf Produktionsweisen und -methoden, sondern außerdem auf die zur Verfügung stehenden Formate und Medien. Von Internetfilmen über Handyfilme bis hin zu Firmenselbstdarstellung gibt es mittlerweile eine fast unüberschaubare Bandbreite von Formaten, die alle ihren eigenen Gesetzen folgen. Ich finde es spannend, als Filmer so viele Auswahlmöglichkeiten zu haben. Ich finde es auch gut, dass viele dieser neuen Formate mit einfachen Mitteln realisierbar sind. Am Ende ist es doch eh immer ähnlich: Qualität setzt sich zwar nicht immer durch, aber sie wird fast immer als solche wahrgenommen. Und: Ein Film muss nicht zwangsläufig teuer sein, um teuer auszusehen.
Ich sehe auch nicht Schwarz, was die Zukunft des Kinos anbetrifft. Zwar ist es einer neuen Konkurrenz ausgesetzt, gerade auch was die Aufmerksamkeit der Zuschauer anbetrifft. Aufgrund von vereinfachten Realisierungsmöglichkeiten, denke ich, dass mehr von TV-Sendern unabhängig finanzierte Filme ihren Weg auf die Leinwand schaffen. Das Kino wird überleben und nicht jede Veränderung muss etwas Schlechtes bedeuten. Betrachten wir die Sache realistisch: Wenn ich einen Handyfilm oder Filme für interaktive Event-Museen großer Firmen mache, dann muss ich nicht mehr auf 35mm drehen. Da reicht digitales Videomaterial – wie für viele andere Anwendungen auch.
Ich mag eigentlich jedes Format. Kürzlich habe ich im Auftrag der dänischen Firma Danfoss eine Selbstdarstellung gedreht, die im firmeneigenen Museum läuft. Der fertige Film kommt fast wie eine künstlerische Video/ Rauminstallation daher, da man ihn sich wie ein Brunnen von oben aus vier verschiedenen Perspektiven heraus anschauen kann. Das schöne an solchen Event-Filmen ist oft, dass man keinen Senderedakteur und keine Agentur zwischengeschaltet hat. Ideen können weniger kaputtgeredet werden, da man direkt mit dem Kunden verhandelt und Realisationsmöglichkeiten gemeinsam erarbeitet.
Quereinsteigern, die nicht von der Filmhochschule kommen, fällt es schwerer einige Türen zu öffnen. Wir Quereinsteiger haben deswegen aber nicht weniger zu sagen als andere. Auch daher habe ich mit »Daydreams« eine Lobby gegründet – in der Hoffnung gemeinsam stärker dazustehen. Ich bin da sehr idealistisch.
Gerne mache ich auch Filme mit Kindern, die eine eigene unverbrauchte Sichtweise auf die Erzählung werfen. Bei der heutigen Medienflut finde ich es wichtig, Kinder schon früh an den Umgang mit Medien heranzuführen.
Man darf das Kino und somit die andere, konzentrierte Erzählweise nicht nur zwei Formaten überlassen. Das Kino hat eine ganz andere Auflösung als das Fernsehen – und somit ganz andere Möglichkeiten eine Geschichte zu erzählen. Ich kann im Kino Dinge im Hintergrund passieren lassen, kann ganz andere Ausschnitte und somit Bilder wählen. Wenn ich im Fernsehen ein Close-Up brauche, um eine Emotion in einem Gesicht darzustellen, kann ich im Kino eine Halbnahe oder eine Halbtotale wählen. Ich kann im Kino auch tiefer in die Geschichten und Charaktere eintauchen, weil der Zuschauer im Kino konzentrierter zuschaut – schließlich wird er nicht abgelenkt. Und trotzdem habe ich nichts gegen kleine Bildschirme oder kurze, knappe Filme. Nur gut erzählt müssen sie sein. Die wichtigste Ausgangsbasis, um einen guten Film zu machen, ist eine gute Geschichte.
Mir ist dabei völlig klar, dass ich, bevor ich heutzutage einen Film drehe, genau wissen muss, welche Vertriebswege ich zu gehen beabsichtige. Danach richten sich die Auflösung meines Films und die Struktur meiner Geschichte. Deshalb ist mir auch völlig klar, dass ich ganz andere Wege als die üblichen gehen muss, um einen Spielfilm schließlich drehen zu können.
Aber eins ist auch klar: Ich benutze meine anderen Projekte, um unabhängig Filme machen zu können. Um dann einen Spielfilm zu realisieren, den ich machen möchte und der nicht irgendwelchen gerade gewünschten Themen nachläuft.