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Caroline Kirberg

Caroline Kirberg

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Caroline Kirberg, 28, bereitet mit ihrer Filmproduktionsfirma Jucca Film zur Zeit den Kurzfilm »Luise ist 14« vor.

Ich habe eine konkrete Vorstellung von Filmen im Kopf. Es handelt sich für mich um eine Art Glücksfall, dass sich meine Vorstellung von Filmen deckt mit der Vorstellung einiger Regisseure, die heute Ansätze von Erfolg haben – etwa Ulrich Köhler oder Christoph Hochhäusler oder Henner Winckler. Die haben diesen Erfolg ja auch deshalb, weil das Fernsehen und einige Produzenten in Deutschland beginnen, in diesen Filmen ebenfalls ein Potential zu sehen.

Ich möchte wegkommen vom klassischen Erzählschema, von dem Versuch einiger älterer deutscher Regisseure, amerikanisches Erzählkino oder Actionkino zu kopieren. Das ist alles erlaubt und wunderbar, aber um eine eigene Identität zu finden für einen deutschen Film, der auch mit mir als Deutscher oder mit mir als Mensch und dem Umfeld, in dem ich lebe zu tun hat, darf man nicht imitieren.

Ich habe den Eindruck, dass es gerade in den letzten vier, fünf Jahren bei einer ganzen Reihe junger Autorenfilmer genau diesen Ansatz gibt. Gleichwohl muss man feststellen, dass deren Filme vom Publikum doch noch recht zögerlich aufgenommen werden. Filmer wie Köhler oder Winckler arbeiten bewusst mit dem Stilelement der Langeweile. Daran muss sich das Publikum wohl erst noch gewöhnen.

Gilles Deleuze hat die beiden Bücher »Kino 1« und »Kino 2« geschrieben. In diesen beschreibt er vor allem den italienischen Neorealismus und die französische Nouvelle Vague und den Bruch, den es in den fünfziger und sechziger Jahren gab zwischen dem klassischen amerikanischen Erzählkino und dem europäischen Autorenkino.

Im klassischen Hollywoodfilm hat die Bewegung die Zeit dominiert. Wenn man dieses Fazit herunterbricht auf die Praxis, habe ich eine Einstellung, deren Länge davon abhängt, wie lange die Aktion, die gerade im Drehbuch steht, dauert. Ich habe also eine Continuity in Zeit und Raum. Wenn einer sagt: „Tschüss, ich gehe“, dann folgt ihm die Kamera durch den Raum, sie filmt, wie er die Klinke in die Hand nimmt, um die Tür zu öffnen und wie schließlich die Tür ins Schloss fällt, nachdem er den Raum verlassen hat.
Eine solche Auffassung von Kino lässt dem Zuschauer keine Zeit zum Nachdenken und Reflektieren. Die neuen Filme, so Deleuze, arbeiteten genau umgekehrt: Die Zeit macht sich die Bewegung zum Untertan. Jede Einstellung bekommt die Zeit, die sie braucht und nicht, die ihr vorgeschrieben wird durch die Bewegung.

Ich will keine typischen Schnittfolgen. Die Berliner Schule will ja auch nicht psychologisch hineingehen in ihre Helden oder Charaktere. Sondern die Kamera verweilt auf den Hautoberflächen. Körper sind sehr wichtig. Was offenbart sich auf den Gesichtern, wenn die Kamera drauf bleibt? Es entsteht eine Form von Authentizität dadurch, dass die Einstellungen oft auch sehr lang sind. Der Zuschauer wird auf diese Weise der Länge der Einstellung – und wenn man so will – der Langeweile ausgesetzt. Er kann eben nicht weiterzappen.

Filme wie diese, also Filme, die mutig sind und neue Formen ausprobieren, möchte ich selber drehen – oder als Produzentin unterstützen. Netzwerke mit Ähnlichdenkenden zu bilden halte ich daher für eine sehr naheliegende und folgerichtige Vorgehensweise.

Der Umstand, dass man als Filmschaffender heute im Grunde genommen alles machen kann, empfinde ich eher als belastend. Klar war für mich aber immer, dass ich Geschichten erzählen will. Vor allem ist es so, dass all die anderen Formate – also Musikvideos, Videogames, Werbung, Fernsehen – Aufmerksamkeit vom Kino und vom Film abziehen. Immer weniger Menschen gehen heute ins Kino, weil sie sich den Film, den sie sehen wollen, aus dem Internet ziehen können.

Andererseits gebären die neuen Möglichkeiten auch neue, zündende Ideen. Beeindruckt hat mich die Zusammenarbeit der Filmgalerie 451 mit der von Christoph Hochhäusler mitherausgegebenen Filmzeitschrift Revolver: Revolver kann man jetzt gemeinsam mit einer Filmedition auf DVD abonnieren, den ersten Film markiert dabei Angela Schanelecs »Marseilles«. Solche Initiativen finde ich völlig überzeugend, da sie ganz klar auch neue Vertriebswege für anspruchsvolles Kino erschließen. Diese Kollaboration ist ein gutes Beispiel dafür, wie man ein neues Medium wie die DVD umarmen kann.

Simon Chappuzeau & Max Dax, 2008-09-18

Erschienen in The Second Issue

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