Ich habe 1999 angefangen, mich im Zuge meines Diploms mit dem Thema WebTV zu beschäftigen. Studiert habe ich Kommunikationsdesign, wodurch ich mich mit Programmierung, Film und Fotografie auseinander gesetzt habe. Normalerweise spezialisiert man sich ja dann irgendwann, ich fand aber gerade die Mischung aus allem immer extrem reizvoll.
So kam es auch damals zu meinem Diplom: Ich bin schon immer viel mit dem Rucksack gereist, und habe mich dann mit den Anfängen des WebTVs gefragt, wie wohl eine Reisereportage für das Internet aussehen könnte. Eine Reisereportage, welche die Sprache des Netzes spricht. Klassisch bedeutet Reisereportage, dass es einen Redakteur gibt, der über einen Ort oder Thema recherchiert, den Beitrag produziert und die Zuschauer können sich dann im Nachhinein diesen Bericht anschauen oder lesen.
Mit dem Internet lag es nahe, darüber hinaus zu gehen. Zum einen hat man deutlich mehr Erzählmöglichkeiten: Meine Reportagen bestehen aus kurzen Teasertexten, aus Fotos, einer Karte, auf der man meinen Weg mitverfolgen kann, einem Forum und natürlich Videos. Jedes Element trägt zur Geschichte bei. Zum anderen hat man die Möglichkeit zur Interaktion. Man kennt es ja selbst vom Reisen: Man trifft Leute, die geben einem Tipps und auf einmal nimmt die Reise eine unvorhergesehene Wendung. Ich habe dieses Prinzip als festes Element in meine Beiträge eingebaut: Ich beziehe die Menschen vor den Rechner mit in ein, indem ich aus passiven Zuschauern aktive Anwender mache, die selbst durch Vorschläge den Verlauf meiner Reise beeinflussen können.
Und das funktioniert mittlerweile ziemlich gut: Bei meinem aktuellen Projekt, km42 für Spiegel Online, wurden bisher über 1500 Vorschläge gemacht. Es gibt natürlich auch einige allgemein bekannte Ziele darunter aber viele sind hochinteressant und echte Geheimtipps. Und die nehme ich dann dankbar auf, fahre dort hin und mache daraus eine Reportage. Es ist jetzt nicht so, dass mich die Zuschauer oder besser gesagt Anwender lenken können. Sie können aber auf jeden Fall den Verlauf meiner Reise inhaltlich und räumlich beeinflussen.
Meine Reisen und mein Filmen sind in diesem Sinne zum Teil ergebnisoffen. Viele meiner Geschichten finde ich im wahrsten Sinne des Wortes am Wegesrand. Mir gefällt diese Art zu arbeiten, ich mag das direkte Umsetzen von Themen. Und mir gefallen auch die manchmal unrunden Ergebnisse.
Reisen war für mich bis zu meinem 30. Lebensjahr fast wie eine Religion. Wenn man aber irgendwann merkt, dass das Glück auf der Welt überall gleich weit entfernt ist, relativiert sich das alles ein wenig. Heute ist für mich das Prinzip des Reisens, also die Erweiterung des Horizons und die Gewinnung von Erkenntnissen das Wichtigste.
Ich bin nicht den Weg normaler Filmemacher gegangen, ich weiß noch nicht mal, ob ich mich überhaupt als Filmemacher bezeichnen würde. Ich musste mich nie für eine spezielle Richtung entscheiden. Ich versuche mit meiner Arbeit persönlich voranzukommen und da probiere ich gerne auch mal unterschiedliche Disziplinen.
Eines meiner nächsten Projekte wird vielleicht ein Dokumentarfilm sein. Ich trage schon länger eine Idee mit mir herum und es wäre eine gute Weiterentwicklung meiner jetzigen Tätigkeit, bei der ich ja immer kurz in die unterschiedlichsten Themen reinschnupper. Ich hätte auch mal Lust, mich ein Jahr lang nur mit einem Thema zu beschäftigen.
Aber jetzt werde ich erstmal noch eine Zeit mit meinem alten Bus durch die Lande fahren und mit offen Augen von den unterschiedlichsten Geschichten am Wegesrand berichten.