Schon seit über sieben Jahren arbeite ich erfolgreich als Regisseurin für Werbung und Musikvideos, zum Beispiel für die Hamburger Rockband Tocotronic. Ich habe als erste Praktikantin von X-Filme Tom Tykwer erlebt, und später mitbekommen, wie er mit Wolfgang Becker an dem Drehbuch zu »Das Leben ist eine Baustelle« gearbeitet hat. Schon damals fand ich die Idee faszinierend, einmal einen Spielfilm zu drehen. Aber mir fehlten Geschichten, die ich hätte erzählen können. Als Werberegisseurin konnte ich hingegen On-Set-Erfahrung sammeln.
Seitdem habe ich überall gedreht. Für die Musiker, die in Hamburg in meinem Haus lebten, drehte ich Musikvideos, und wenn ich eine Freundin in Edinburgh besuchte, besorgte ich mir dort eine 16mm-Kamera und eine Kamerafrau und drehte dort einen Kurzfilm. Für Cabinet Zigaretten drehte ich einen Werbung, im Zuge dessen sich die Band 2Raumwoh-nung formierte, die für diesen Spot die Musik geschrieben hatte. Jetzt bin ich 35. Jetzt möchte ich meinen ersten Spielfilm drehen.
Dabei ist es interessant, dass ich, obwohl ich mich nicht wie ein Debütant fühle, trotzdem so behandelt werde. Werberegisseuren eilt der Ruf voraus, dass sie nicht mit Geld umgehen können. Das finde ich schade. In Amerika ist das anders, da wird man danach beurteilt, ob man inszenieren kann – und ob man Budgets einhält. Das habe ich immer hinbekommen.
Ich fange letztlich wieder bei null an, da ich mich nicht der Wege bedienen kann, die denen offen stehen, die beispielsweise von einer Filmhochschule kommen. Das ist aber auch spannend. Entscheidend ist, dass man sich nicht korrumpiert. Ich schreibe zur Zeit an dem Buch für meinen ersten Film. Ich habe endlich eine Geschichte, die ich erzählen möchte und die mir ein Anliegen ist. In meinem Film wird es um den Druck gehen, den unsere Gesellschaft – siehe DSDS – auf Jugendliche ausübt, möglichst schnell zu Erwachsenen zu werden und von ihnen wahnsinnig zu profitieren. Das ist meine Geschichte: Lebe erst einmal.