Ich komme im Grunde vom Theater. Auf der Folkwang-Schule in Essen habe ich Theaterregie studiert – zur Hälfte Schauspiel und Regie. Das halte ich für eine gute Kombination, denn als Regisseurin bin ich der Meinung, dass es gut ist zu wissen, wie es sich als Schauspieler anfühlt. Bereits während meines Studiums habe ich regelmäßig inszeniert: Goethe, ein Musical und schließlich ein modernes Stück, das in Essen und in Köln gezeigt wurde.
Mit meinem Diplomabschluss pendelte ich zwischen Film und Theater. Ich ging 2002 nach Hamburg, wo ich im Studio Hamburg als zweite Regieassistentin eine Folge von »Stahlnetz« mitgemacht habe. Danach habe ich für unter anderem für Jo!Schmid Werbefilmproduktion aus Berlin Castings in England, Bulgarien und Afrika durchgeführt. Von 2003 bis 2005 war ich als Regieassistentin und Regisseurin am Theater Oberhausen tätig. Meine Kinderinszenierung »Der Sängerkrieg der Heidehasen« erhielt 2005 den Nachwuchsregiepreis. Das Jugendstück »The Killer (...)« läuft erfolgreich in der zweiten Spielzeit. Neben der Arbeit am Theater entstand mein Dokumentarfilm »Der kleine Prinz«, der in Deutschland auf drei Festivals lief und in Weimar den Independent Award erhielt. Auf dem Frauenfilmfestival Femina in Rio de Janeiro erhielt die Dokumentation einen weiteren Regiepreis. Für das Modelabel »Herr von Eden« habe ich Werbespots und Modenschau-Dokumentationen hergestellt und für DJ Audiossey Musikclips.
Vor kurzem ist mein erster professioneller Kinderkurzfilm realisiert worden. »Husby« ist eine Zusammenarbeit von meiner Schwester Tine Bay Lührssen (Medienkünstlerin) und mir. Jetzt hoffen wir dass der Film gut ankommt. Für nähere Informationen: www.husby-film.com
Die größte Umstellung vom Theater zum Film war natürlich die Handhabung des technischen Apparates. Ich habe Schauspielerführung gelernt und sehe darin letztlich auch das Zentrum eines jeden Films. Sie tragen die Geschichte – um die es immer gehen muss. Das Team setzt die Geschichte um. Mich fasziniert es einfach mit Menschen zusammenzuarbeiten und mit jedem Film aufs Neue von einem Punkt aus aufzubrechen und an ein unbekanntes Ziel zu gelangen. Am Spannendsten ist es aber, dass ich mir dessen bewusst bin, dass ich meine eigene Filmbildsprache finden muss – das ist vielleicht der größte Unterschied zum Theater.
Ich kann viel mehr Leute mit einem Film erreichen als im Theater. Das reizt mich. Kino ist distanzierter als Theater und gleichzeitig gefühlvoller. Für mich geht es um Extreme, alles andere ist langweilig. Ein Film, also der physische Film: die DVD oder die Rolle, ist wie ein Dokument. Weil ein Film für die Ewigkeit ist, muss jeder Film sehr gut sein, an dem ich arbeite. Das ist eine Faszination, die man meiner Meinung nach als Herausforderung begreifen sollte.
Was heißt Regie? Mein Professor meinte damals: Das kann man nicht lernen! Mein Ziel sind möglichst viele Filme, die eine Handschrift haben, Qualität und von einem Erzählstil geprägt sind. Beeinflusst ist mein Stil sicherlich aufgrund meiner deutsch-dänischen Herkunft von den Dogma-Filmen, wobei »Eine Liebesgeschichte« von Ole Christian Madsen mein Favorit ist. Mir gefällt es, wie die Dogma-Regisseure mit Schauspielern arbeiten – und Technik eher als Mittel zum Zweck ansehen.